Grüns

Grüns und insbesondere die Puttflächen sind die Bereiche einer Golfanlage, an die einerseits höchste Ansprüche gestellt werden, die andererseits aber auch höchsten Belastungen ausgesetzt sind. Hier läuft das Spiel für alle Golfer zusammen. Puttflächen sollen spurtreu sein; der Ball soll rollen und nicht hoppeln. Außerdem sollen Puttflächen "schnell" sein. Schnell bedeutet, dass der Ball bei einer gegebenen Anfangsgeschwindigkeit möglichst weit rollt. Beide Kriterien sind aber durchaus "zweischneidige Schwerter". Professionelle Grüns sind derart schnell, dass Amateure Puttdistanzen kaum kontrollieren können. Auf solchen Grüns puttet es sich wie auf einer Glasfläche.

Die Spurtreue von Grüns hängt u.a. von der Festigkeit der Oberfläche ab. Professionelle Grüns "beißen" nicht, d.h. ein hoch anfliegender Ball dringt kaum in das Grün ein; nur so kann der Backspin des Balles auf dem Grün seine Wirkung entfalten. Spieler, die in der Lage sind, Annäherungen mit Backspin zu spielen, kontrollieren auf diese Weise den Roll auf den Grüns und damit die Distanz zur Fahne. Andere Spieler hingegen bevorzugen weiche Grüns, bei denen der Ball am Einschlagloch dadurch liegen bleibt, dass er in den Boden teilweise eindringt. Mehr oder weniger ausgeprägte Pitchmarken sind eine Folge. Eine andere Folge weicher Puttflächen ist, dass auch Fussabdrücke und Pfegemaschinen Spuren hinterlassen können, die die Spurtreue beeinträchtigen.

Die Festigkeit der Grüns wird u.a. durch deren Aufbau beeinflusst. Mit Sand aufgebaute Grüns sind prinzipiell fester als mit Mutterboden aufgebaute. Die Filzschicht spielt eine weitere Rolle. Die Filzschicht ist die obere Wurzelschicht unterhalb der Blattschicht, die sich durch abgestorbenes Material und Verdichtungen durch die Nutzung der Grüns ergibt. Schließlich wird die Festigkeit auch durch Feuchtigkeit beeinflusst; je feuchter Grüns sind, desto weicher sind sie.

Für die Spurtreue sollten Puttflächen also möglichst fest sein. Andererseits muss deren Aufbau die vertikale Durchlässigkeit von Luft, Wasser und Nährstoffen erlauben. Denn neben Licht an den Blättern benötigt Rasen die vorgenannten Elemente an den Wurzeln, um wachsen und gedeihen zu können. Auch die Schnitthöhe wirkt sich auf die Spurtreue und Geschwindigkeit aus. Auf unseren Grüns sind Schnitthöhen zwischen 4 und 5 mm üblich; auf Tourgrüns liegen die Schnitthöhen deutlich unter 3 mm. Geringe Schnitthöhe bedeutet weniger Blattmasse für die Prosperität der Pflanze. Jeder Schnitt  führt zu Verletzungen am Blattwerk, die wiederum die Anfälligkeit für Krankheiten förderen.

Krankheiten auf Grüns sind in erster Linie Pilzkrankheiten. Diese entstehen bei feuchter und "warmer" Witterung und umso leichter, je gestresster die Rasenpflanzen sind. Pilzkrankheiten reduzieren das Blattwerk oder lassen Rasenpflanzen sogar völlig absterben. Die Folge ist ein lückiger Hoppelrasen.

Auf Grüns lassen sich im allgemeinen drei Rasenarten (mit zahlreichen Untersorten) finden: Agrostis, Festuca und Poa annua. Poa annua wird normalerweise nicht gesät, sondern setzt sich als in der Umwelt natürlich vorkommende Art invasiv in jede sich bietende Lücke in einem Rasen. Auf den Grüns ist Poa annua aber besonders krankheitsanfällig, und somit ergibt sich ein schwer zu durchbrechender Kreis: Lücken, z.B. auch durch nicht ausgebesserte Pitchmarken, werden durch Poa annua besetzt, deren Krankheiten fördern die Lückigkeit, die wiederum den Besatz mit Poa annua fördert. Da Poa annua zudem nur in eine geringe Tiefe wurzelt, müssen Grüns schnell und reichlich bewässert werden. Bewässerung kann Nährstoffe ausspülen, die dann eher im Grundwasser landen statt die Rasenpflanzen zu ernähren.

Neben reichlich Wasser und Dünger wurden bei Krankheitsbefall ehemals Fungizide eingesetzt, in vielen Fällen sogar prophylaktisch. Hoher Wasser- und Düngemittelbedarf sowie der nicht zurückhaltende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wurde dem Golfsport früher und teilweise noch heute angelastet. Die moderne Platzpflege geht ebenso wie die moderne Landwirtschaft wesentlich sensibler mit diesen Themen um. Dennoch wurden durch den Gesetzgeber Restriktionen eingeführt, die heute kaum noch die Möglichkeit der Behandlung von Krankheiten mithilfe von Fungiziden erlauben. Der Druck, Lösungen auf anderen Wegen zu finden, hat damit erheblich zugenommen.

Mit Poa annua durchsetzte Grüns lassen sich auf zwei Arten sanieren. Bei der radikalen Art werden die Grüns abgesodet und neue Soden mit den gewünschten Rasensorten aufgetragen. Bei einer derartigen Radikalsanierung lässt sich auch gleich die unter der Wuchsschicht liegende Drainageschicht ausbessern oder austauschen. Abgesehen von dem erheblichen finanziellen Aufwand ist mit einer derartigen Maßnahmen in jedem Fall eine erhebliche Unterbrechnung der Grünnutzung verbunden.

Um dies zu vermeiden, haben wir uns für die sanfte Sanierung bzw. Weiterentwicklung unserer Grüns entschlossen. Im Grundsatz geht es dabei darum, die Poa annua durch Austrocknen und Aushungern zu vertreiben und gleichzeitig durch die gewünschte Rasenart per Nachsaat zu ersetzen. Wir haben uns für Agrostis entschieden, weil diese Art  bei uns ursprünglich eingesät worden war. Außerdem gilt Festuca als nicht so resistent gegen den Druck aus dem intensiven Spielbetrieb, der auf unserer Anlage herrscht.

Nahrungsmangel und Wasserknappheit sind ihrerseits aber Stressfaktoren für alle Rasenpflanzen, nicht nur für die Poa annua. Dieser Stress fördert wiederum die Krankheitsanfälligkeit. Es ist deshalb eine ausgesprochen anspruchsvolle Aufgabe, den Grad an Nahrungs- und Wasserbedarf bereitzustellen, der die deutlich tiefer wurzelnde Agrostis "am Leben" erhält, die Poa annua aber verdrängt. Da auch Pflanzen Lebewesen sind, deren Entwicklung nicht mathematisch zu planen ist, darüber hinaus die Unwägbarkeiten des Wetters eine Entwicklung beeinflussen können und eine Krankheitsbehandlung nicht prophylaktisch durchgeführt werden darf, kann es im Zuge dieser Umstellungen zu vermehrtem Krankheitsdruck und damit zu Rückschritten in der Entwickung kommen.

Mit der Abmagerung der Grüns haben wir vor einiger Zeit schon begonnen. Auch wenn die Krankheitsanfälligkeit derzeit höher ist als sonst bei uns üblich, hat dieser Weg schon positive Wirkungen gezeigt, indem die Poa annua sichtbar zurückgegangen ist und durch Agrostis ersetzt werden konnte. Die ausgesprochen starke Blüte der Poa annua in diesem Frühjahr war ein Zeichen für den Stickstoffmangel an diesen Pflanzen. Sie versuchen quasi, ihre letzten Reserven zu mobilisieren.

Dieser Weg wird kein leichter sein. Vor dem Hintergrund der ersten Erfolge und der mangelnden bzw. unattraktiven Alternativen werden wir ihn aber konsequent fortsetzen und dabei unsere Sensibilität für die Grenzen der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen trainieren. Wir sind davon überzeugt, nach dieser Umstellung über spurtreue Puttflächen zu verfügen, die sportlich herausfordernde Geschwindigkeiten ermöglichen, vor allem aber auch bei widrigen Wetterverhältnissen gesund bleiben.

gruenaufbau