Hillerheide: die Entstehung

Es begann 1990. Auf der Suche nach einem Standort für eine neue Golfanlage wurde Dr. Michael Velte, Golfplatzinvestor und -betreiber aus Köln, vom Bürgermeister der Stadt Recklinghausen mit dem Geschäftsführer des Trabrennvereins bekannt gemacht, denn der Trabrennverein suchte nach Nutzungsmöglichkeiten für seine Wiese im Innenbereich der Rennbahn.

Golf in einer Pferderennbahn war durchaus keine neue Idee, aber zu der Idee Golf in einer Trabrennbahn gehörte reichlich Phantasie, weil die Fläche mit rund 5 Hektar deutlich kleiner ist als die des Innenbereichs einer Galopprennbahn. Weitere Restriktionen schienen der Realisierung einer Golfanlage in der Trabrennbahn Recklinghausen im Wege zu stehen:

  • Dem Übungs- und Rennbetrieb der Traber musste stets Priorität eingeräumt werden. Irritationen der Rennpferde und die Gefahr eines Unfalls zwischen Golfern und Trabern musste menschenmöglich ausgeschlossen werden.
  • Baumaßnahmen waren praktisch vollständig untersagt. Der Blick auf alle Bereiche der Renn- und der Übungsbahn musste von allen Tribünen und Zuschauerbereichen aus ungehindert bestehen bleiben.
  • Es konnte nur ein kurzfristiger Vertrag abgeschlossen werden, der bei Gefahr des Scheiterns dieses „Experimentes“ jederzeit gekündigt werden konnte.

Alles keine guten Voraussetzungen für den Bau oder Betrieb einer Golfanlage. Auf der Positivseite standen aber die sofortige Verfügbarkeit der Fläche ohne ein besonderes Genehmigungsverfahren, das seinerzeit für Golfanlagen teilweise absurde Formen angenommen hatte. Positiv war weiterhin die ausgesprochen attraktive Verkehrsanbindung mit dem nahen Autobahnkreuz Recklinghausen sowie die zahlreichen Besucher, die durch den Trabrennbetrieb auf das Gelände kamen.

Getreu dem Motto „Wo ein Wille ist auch ein Weg.“ konnte ein Konzept entwickelt werden, das Anfang 1991 durch die Unterschriften unter einen Nutzungsvertrag besiegelt wurde. Dabei war es allen Beteiligten klar, dass es beim Golfen in der Trabrennbahn Recklinghausen nicht um die Etablierung einer „richtigen“ Golfanlage gehen konnte, sich das Angebot in Form einer Golf-Übungsanlage vielmehr an Anfänger und Golfinteressierte richten musste, für die einer der etablierten und seinerzeit recht teuren Golfclubs nicht in Frage kam.

uebungsbetrieb

„Öffentliche Golfanlage für Jedermann“ war der Tenor, keine Clubmitgliedschaft, keine Aufnahme- oder Spielgebühren, „pay as you play“ zu günstigsten Preisen. Aufgrund der Restriktionen konnte zunächst buchstäblich nur eine gemähte Wiese zur Verfügung gestellt werden, gemäht zwar mit unterschiedlichen Rasenmähern auf unterschiedliche Mähhöhen; anderenorts wären die Grüns aber allenfalls als Wintergrüns akzeptiert worden. Die Bunker waren und sind heute noch echte Handarbeit.

Bis zur Einstellung des Trabrennbetriebs waren die Nutzungszeiten für Golfer erheblich eingeschränkt, an Wochentagen auf die Nachmittage, und an Renntagen war überhaupt kein Golfen möglich. Begeisterten Übungs- und Spielbetrieb gab es jedoch von Anfang an, sogar mit Wettspielen, die in ein „internes“ Handicap mündeten.

Zu den innovativen Ideen, die mit dem Golfen in der Trabrennbahn Recklinghausen im Zusammenhang standen, gehörte das Spielen mit „Cayman“-Golfbällen. Diese Bälle waren in den 80er Jahren im Auftrag von Jack Nicklaus, einem der berühmtesten Golfer der Geschichte, für die Nutzung auf einer kleinen Golfanlage entwickelt worden, die Nicklaus auf der Grand Cayman Insel designed hatte. Diese Bälle wogen etwa die Hälfte eines normalen Golfballs und flogen bei identischen Schlägern und Schwüngen etwa halb so weit wie reguläre Golfbälle. Außerdem war die Gefährdung von anderen Spielern auf eng beieinander liegenden Golfbahnen wegen des geringen Gewichts der Bälle minimiert. Aufgrund fehlender Akzeptanz wurde dieses Experiment nach zwei Jahren aufgegeben und das Spiel mit normalen Bällen fortgesetzt.

Für die frühen 90er Jahre, in denen der Golfsport nahezu ausschließlich in Vereinen betrieben wurde, die durch Wartelisten, hohe Aufnahmegebühren und „Spenden“ in nennenswerter Höhe, die Notwendigkeit von Bürgen, ausgeprägte Etikette nicht nur in Bezug auf Kleidung, mithin als Sportorganisationen für „elitäre Snobs“ berüchtigt waren, wurde in der Hillerheide die Golfwelt auf den Kopf gestellt: Blue Jeans und Lachen gehörten zum Alltagsbild. Und Werbung, und zwar außergewöhnliche: zum Beispiel aufmarschieren mit Golftrolleys in der Fußgängerzone in Recklinghausen, um Handzettel zu verteilen, Werbung nicht dezent, sondern spektakulär.

werbung

Für den Übungsbetrieb konnten gute Amateurspieler aus benachbarten Golfclubs gewonnen werden. Zwei dieser Spieler sind nun schon jahrelang Golf-Professionals: Johannes Osenberg ist erfolgreicher Golflehrer in Süddeutschland, Henning Schulze-Döring ist Head Professional des Royal Malta Golfclubs und Präsident der Professional Golfers Association of Malta. Noch heute wird der Übungsbetrieb teils von Professionals, teils von Amateuren durchgeführt, stets aber unter dem Primat, den Spaß am Sport zu vermitteln.

osterhaeschen

Eröffnung war an Ostern 1991; zur Begrüßung verteilten zwei Häschen Ostereier. Gestartet wurde mit einer kleinen Driving Range und sechs Löchern. Für jeden Übungsbetrieb musste die Ausrüstung angefahren werden, in einer zweckmäßigen und „schön“ bemalten Holzkiste. Eine Toilette stand zur Verfügung, allerdings auf dem Niveau eines Pferdestalls. Die Verpflegung erfolgte „selbstgemacht“, außer bei größeren Veranstaltungen, die das Casino Marpe an der Trabrennbahn bediente. Kooperationen mit anderen Sportvereinen, den Sportabteilungen von Unternehmen und dem Kreissportbund sorgten bald für einen regen Golfbetrieb.

Als der Deutsche Golf Verband um 2010 herum seine Anforderungen an vorgabenwirksames Golf überarbeitete, nutzte Diethard Schwieder, jahrelang Protagonist und Spiritus Rector des Golfbetriebs in Recklinghausen, die Gelegenheit, die Hillerheide für „echtes“ vorgabenwirksames Golf weiter zu entwickeln. Einige Bahnen wurden geringfügig verändert, und auf der Driving Range wurden drei neue Löcher kreiert. Zwar muss der Übungsbetrieb seitdem zeitweise dem Turnierbetrieb weichen bzw. mit diesem koordiniert werden, durch diese Umgestaltung kann aber eine 9-Loch-Anlage mit sechs Par-Drei- und drei Par-Vier-Löchern bei einer Gesamtlänge von 1.485 Metern angeboten werden. Mit der Aufnahme in den Deutschen Golf Verband in 2012 und dem Rating der Anlage in 2013 rückte die Hillerheide in den Kreis der offiziellen Golfanlagen in Deutschland.

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